Strasser designiert: Schlüsselübergabe im August


Akut

Eine ordentliche Übergabe an der Spitze des Bauernbundes sollte es werden: Vom Polit-Routinier Jakob Auer auf den 46-jährigen Nöchlinger Bürgermeister Georg Strasser. Heute wird die Personal-Weiche offiziell gestellt. Was Auer als agrarpolitischem Urgestein damit als letztem Coup gelungen ist, lief ab wie ein Schweizer Uhrwerk. Genau zu der Zeit, genau an den Wunschkandidaten, den er seit zwei Jahren im Auge hatte. Am formelle Übergabe geht am 26. August bei einem Bauernrat von statten.

Heute, Mittwoch, erfolgt die offizielle Designierung von Georg Strasser bei einer Bauernbund-Vorstandssitzung in Wien. Am 26. August wird Strasser dann bei einer Bundesversammlung offiziell zum Präsidenten gewählt. “Strasser war mein Wunschkandidat. Das ist perfekt”, sagte Auer bereits im Vorfeld zur APA. Und begründete seine Wahl gegenüber OÖN: „Er ist ein kleiner Landwirt mit 15 Kühen und versteht die Probleme der Bauern und des ländlichen Raumes. Es ist gut, dass er nun die Chance erhält, sich noch vor den Nationalratswahlen bei den großen Agrarterminen im Herbst vor unseren Bäuerinnen und Bauern zu präsentieren.“ Diesem Generationenwechsel im waren intern heftigere Debatten vorausgegangen – ausgerechnet im niederösterreichischen Bauernbund, dem auch Strasser angehört. Vergangenen Freitag konnte sich Niederösterreich, die traditionell stärkste Landesgruppe, auf Strasser einigen. Mit diesem Beschluss war jedenfalls der Weg zur Spitze für den studierten Lebensmittelingenieur Strasser geebnet. Strasser war seit 2009 Bürgermeister von Nöchling, einer Nachbargemeinde von St. Nikola an der Donau (OÖ). Dieses Bürgermeisteramt will er nun zurücklegen. Seit 2013 gehört Strasser dem Nationalrat an und war zuletzt Mitglied im Hypo-Untersuchungsausschuss. Er ist Diplom-Ingenieur für Lebensmittel und Biotechnologie und war Geschäftsführer des Instituts für Nachhaltigkeit Yspertal. Massiv vom Bauernbund gepusht fuhr er beim Nationalratswahlkampf 2013 mit über 16.000 Stimmen ein starkes Vorzugsstimmenergebnis ein.

Auer brauchte Reform der bäuerlichen Einheitswerte zustande

Auer wurde nach dem überraschenden Rücktritt von Fritz Grillitsch im Dezember 2011 zum Obmann des ÖVP-Bauernbundes gekürt. Als schwierigste Aufgabe für den künftigen Bauernbund-Präsidenten bezeichnet Auer die komplizierte Reform der gemeinsamen EU-Agrarpolitik in den nächsten Jahren. Wichtigster Meilenstein seiner der knapp 6-jährigen Ära als Bauernbund-Chef war die Reform der landwirtschaftlichen Einheitswerte. In mehr als 100 Verhandlungsstunden ist es Auer gelungen, das bäuerliche Steuermodell zu reformieren und damit zu verlängern. Als weiteres positives Ergebnis seiner Amtszeit sieht der noch amtierende Bauernbund-Präsident, das “Höfesterben” im Vergleich mit anderen europäischen Ländern “deutlich eingebremst zu haben“.