Herumeiern um Fipronil: Neuester Eierskandal greift europaweit um sich


Akut

Wer isst schon 7 Eier täglich!? Wer das schafft, kratzt dann nämlich an der kritischen Menge. Sieben Eier, in welcher Form auch immer, die ein Verbraucher täglich zu sich nehmen müsste, um erfolgreich Grenzwerte zu überschreiten. Bei Mayonnaise wären es bis zu drei Kilogramm oder Torte bis zu vierzehn Stück um den kritischen Wert zu erreichen. Millionenfach ist der Stoff plötzlich in holländischen Eiern enthalten. Und taucht europaweit in Keksen, Nudeln, Mayonnaise oder gekochten Eiern auf. Wie kam das Insektizid dorthin?

Fipronil: Willkommen in der Welt des Myogramms

Bei den letzten News aus der Lebensmittelwelt könnte man meinen, die Chemiekeule hätte uns wieder einmal ganz kalt erwischt. Fipronil ist in aller Munde. Leider buchstäblich. Leider unwissentlich und unfreiwillig. Fipronil ist eigentlich ein Schädlingsbekämpfungs- und Desinfektionsmittel. Eingesetzt wird es gegen Flöhe, Läuse und Zecken bei Hunden und Katzen und in Pflanzenschutzmitteln. In der Nutztierhaltung ist der Insektizid-Wirkstoff „Dega 16“ nicht erlaubt. Der Stoff kann das Nervensystem schädigen. Die österreichische Lebensmittelbehörde AGES gibt Entwarnung: Fipronil sei nicht krebserregend oder erbgutschädigend, heißt es. Bei übermäßigen Verzehr könne es allerdings zu Übelkeit, Erbrechen, Kopfschmerzen bis hin zu Lähmungserscheinungen führen. Ein Verzehr von mehr als sieben Eier für Erwachsene und ein Ei für ein Kind mit 10 kg Körpergewicht sei bedenklich. Hierbei handelt es sich um einen Höchstwert. Tatsächlich wies der Großteil der bisher getesteten Eier einen zehn- bis 100-fach niedrigeren Wert auf. Willkommen in der Welt des Myogramms und der wissenschaftlichen Grenzwerte. Frank Hensel, REWE-Chef Österreich, sagt in solchen Fällen gerne: „Das Thema ist Gift im Essen. Was wollen sie dazu einer Mutter mit Baby erklären?“

Gift im Essen: Das Insektizid gelangt übers Hühnerfutter ins Ei.

Im Dotter reichert sich die Chemie an

In belgischen, niederländischen und deutschen Hühnerei-Betrieben wurde das betroffene Desinfektionsmittel „Dega 16“, das Fipronil enthält, verwendet. Das Insektizid gelangte über das Futter in das Ei und reicherte sich im Dotter an. In 15 EU-Ländern und bis nach Hongkong wurde das Insektengift in Eiern nachgewiesen. In Deutschland werden 10,7 Millionen kontaminierte Eier befürchtet. In Österreich handelte es sich um mehrere Hundert Kilo kontaminierte Eier in gekochter und geschälter Form sowie 120 Liter deutsches Flüssigei. Zwei oberösterreichische Großhändler und ein steirischer Betrieb haben bereits kontaminierte Eier importiert und an den Gastrohandel weiterverkauft. Die betroffenen Betriebe wurden in Kenntnis gesetzt. Ein Großhändler hat die Eier nicht ausgeliefert. Beim anderen Händler wurden die Eier zurück geholt. Das Flüssigei wurde vor der Verarbeitung rückgeholt. In heimischen Eiern wurde kein Fipronil gefunden. Es werden andere Mittel zur Schädlingsbekämpfung verwendet. Betroffen sind allerdings Lebensmittel, in denen Eier eingesetzt wurden, wie z.B. Mayonaise, Nudeln oder Kuchen. Laut der Ulrich Herzog, Leitung Verbraucherschutz Gesundheitsministerium, wurden Proben bei potentiell gefährdeten Lebensmittel gezogen und die Untersuchungen laufen.

Wahlkampf-Streit um Lebensmittelkennzeichnung

Bei Frisch-Eiern ist das Herkunftsland und die Haltungsform ersichtlich. In der Gastronomie und bei Fertigprodukten ist keine Lebensmittel-Sicherheit aufgrund der fehlenden Kennzeichnung gegeben. Das Gesundheitsministerium, die Landwirtschaftskammer und die Grünen sind für eine Kennzeichnungspflicht. Der Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter ist für eine „unbürokratische EU-weite Regelung“. Die Katharina Koßdorff, Geschäftsführerin des Fachverbandes der Lebensmittelindustrie, hält nichts von einer umfassenden Kennzeichnung. Eine „Vorreiterrolle“ würde zu höheren Kosten und Wettbewerbsnachteilen für die österreichischen Verarbeiter führen. Zudem möchte die EU Kommission das Schnellwarnsystem verbessern.

Absurdität des grenzenlosen Wirtschaftsraumes

Einmal mehr zeigt sich, dass der Teufel im Detail liegt. Dabei lassen sich die internationalen Warenströme von Rohstoffen, Fertigzubereitungen der Industrie wie Flüssigei oder Trockenei kaum noch als Detail bezeichnen. Dennoch: billig produzierte Nahrung für den Supermarkt kommt ohne die industriellen Bearbeitungsstufen längst nicht mehr zurande. Der Konsument musste mittlerweile einsehen, dass im Butterkeks kaum noch Butter enthalten ist und sogenannte Fruchtzubereitungen hauptsächlich aus Zucker und Aromen bestehen. Wer selber kocht ist fein raus. Und im übrigen gilt: scharfe Kontrollen der Behörden sollten solche Kennzeichnungsskandale unterbinden helfen. Die Lebensmittelsicherheit steht über allem. Und dass die Alarmglocken rechtzeitig klingen, kann uns in diesem Fall auch wieder beruhigen. Immerhin: Der Skandal wurde sofort entdeckt.