Oh, du Heimische! Rot-weiß-rote Weihnachten - +43


Akut

plus 43 schaut in die Zukunft und wagt eine kulinarische Prognose. Weihnachten wird heuer nicht nur weiß, sondern vor allem heimisch. Und zwar vor allem dann, wenn es um den feinen Festtagsschmaus für Familie und Freunde geht. Wer auf Qualität Wert legt, schenkt österreichischen Bauern das Vertrauen und kauft rot-weiß-rot.

Rechtzeitig bevor der Weihnachtsrummel in den Geschäftsstraßen und auf den Märkten noch so richtig losbricht, haben wir uns unter den österreichischen Viehzüchtern, Gemüse- und Obstbauern, Milchverarbeitern und Christbaumbauern umgehört. Vertreten durch ihre Verbände ZAR (Rinderzüchter), VÖS (Schweinzüchter), ZAG (Geflügelbauern), VÖM (Milchbauern und Molkereien) ÖBOG (Obst- und Gemüsebauern) aber auch den Waldverband gibt es eine durchgängige Parole: Wer zu heimischen Produkten greift, bekommt beste Qualität und tut so ganz nebenbei auch noch den Bauern was Gutes. Das ganze Jahr über stehen die Bauern unter Beobachtung, ernten viel Wohlwollen, aber auch kritische Fragen zu ihrem Tun. Themen wie das umstrittene Glyphosat, genmanipuliertem Soja oder Bienensterben werden inzwischen gesellschaftlich diskutiert. Nicht selten fühlen sich gerade Bauern als Leidtragende immer höherer Anforderungen. Gleichzeitig sinkt die Wertschätzung.

Wir haben den Spieß umgedreht und gefragt, was sich die Bauern zu Weihnachten und fürs nächste Jahr eigentlich von den Konsumenten wünschen.

Die gläserne Speisekarte

Nicht weniger als 22.000 Rinderzuchtbetriebe vertritt der ZAR-Verband, dem auch Spezialstellen für Besamung oder Rassenzucht angeschlossen sind. Diese Arbeitsgemeinschaft wünscht sich nichts sehnlicher, als dass die Österreicher ganzjährig zu heimischen Produkten greifen. Wenn Tierwohl ganz hoch angeschrieben wird, dann stimmt nämlich auch die Fleischqualität. Außerdem hängen tausende Jobs auf österreichischen Bauernhöfen daran, dass Konsumenten eben auf den österreichischen Rindsbraten oder ein feines Kalbsschnitzel setzen.

Darf’s noch ein Neujahrswunsch sein?

Der Konsument sollte erfahren dürfen, welche Speisen er im Gasthaus, bei der Imbissbude oder in der Kantine, zu sich nimmt. Deshalb: die Fleischherkunft sollte ausgelobt und verständlich gekennzeichnet werden.

Bewusste Entscheidung für heimische Qualität

Auf ein verantwortungsvolles Miteinander setzen auch die österreichischen Schweinebauern, die im Verband VÖS zusammengeschlossen sind. Obmann Walter Lederhilger appelliert vor allem an die bewusste Kaufentscheidung. „Wer sich für heimische Qualität beim Schweinefleisch entscheidet, schenkt der bäuerlichen Landwirtschaft und Schweinehaltung in Österreich gleichzeitig eine Zukunft. Wir wünschen uns auch, dass die Menschen, dann auch Zeit zum Kochen und für den gemeinsamen Genuss im Kreise der Liebsten finden.“

Als Neujahrswunsch erfolgt eine herzliche Einladung „mehr miteinander zu reden“. Lederhilger und Maria Straßmayer, Geschäftsführerin der VÖS, geht es darum, einen direkten Dialog zwischen Bauern und Verbraucher aufzunehmen. „Wenn Sie Fragen zur Landwirtschaft und Schweinehaltung haben und in der glücklichen Lage sind, noch einen Bauernhof in der Nähe zu haben, gehen Sie hin, sprechen Sie mit den Leuten am Hof und informieren Sie sich aus erster Hand. Kommunikation findet immer mehr im Internet statt und es wird auch viel über die Landwirtschaft kommuniziert, aber oft zu wenig mit den Menschen, die sie machen und leben“, appelliert Lederhilger.

Ach, du dickes Ei!

Michael Wurzer, Geschäftsführer des Geflügelverbandes ZAG, setzt auf rot-weiß-rote Qualitätsstrenge und das AMA-Gütesiegel, das Konsumenten dabei hilft, ein echtes österreichisches Hendl, Putenfleisch oder Ei im Supermarktregal ausfindig zu machen. „Damit das Weihnachtsfest besonders gelingt, sollten auch hochwertiges Geflügel und einwandfreie Eier und Eiprodukte eingekauft werden, die man mit gutem Gewissen genießen kann“, so Wurzer. Bestimmungen zu Tierwohl, Tiergesundheit und Lebensmittelsicherheit seien bei uns besonders streng. Wer diese Strenge und Sicherheit wolle, der lasse sich die österreichische Qualität auch gerne etwas mehr kosten.

Transparenz bei der Herkunft gehört für die Geflügelbauern auch 2018 zum Nummer 1-Wunsch: Den Konsumenten soll reiner Wein eingeschenkt werden: „Nicht nur bei den Frischeprodukten im Supermarkt sollte eine klare Kennzeichnung über Herkunft und Haltungsform der Tiere informieren. Auch in Großküchen, der Hotellerie und der Gemeinschaftsverpflegung sollten tierische Lebensmittel besser und eindeutig gekennzeichnet werden.“ Nur wer informiert ist, kann auch frei und mündig entscheiden, welche Produktionsweise er unterstützen möchte. Österreichs Geflügelbauern seien gerne bereit, ihre Standards weiter nach oben zu schrauben, wenn Konsumenten dies nachfragen und auch entsprechend bezahlen.

Tag für Tag Gutes tun

Ganz ähnlichem Qualitätsbewusstsein verschreibt sich die Vereinigung österreichischer Milchverarbeiter, kurz: VÖM. „Ganz besonders zu Weihnachten stehen Genuss und Anerkennung, für alle, die uns etwas wert sind, im Mittelpunkt. Milch und Milchprodukte aus Österreich garantieren höchste Qualität. Damit kann man sich und seinen Lieben etwas Gutes tun, zugleich Dank und Anerkennung zollen für die Arbeit unserer Milchbauern und Mitarbeiter in den Molkereien. Sie alle geben Tag für Tag ihr Bestes“, erinnert Johann Költringer, Geschäftsführer vom Molkereiverband.

Gesunde Vielfalt

Der frisch gegründete österreichische Obst- und Gemüseverband wünscht sich „anspruchsvolle und interessierte Kunden, die die mannigfaltigen einheimischen Obst- und Gemüsesorten als echte Bereicherung ihres Speisezettels verstehen“. Dabei winkt ein zusätzliches Plus: Wer Vielfalt mag, holt sich zugleich viele Vorteile bei Geschmack, Verwendbarkeit und Gesundheit ab. „Das gilt natürlich das ganze Jahr über, nicht nur in der Weihnachtszeit“, fügt Obst- und Gemüseverband-Geschäftsführerin Eva Gantar mit einem Augenzwinkern hinzu. Der Kunde dürfe ruhig kritisch sein, er solle neben Frische und Qualität vor allem auf die regionale Herkunft schauen. Das hilft der Wirtschaft und der Umwelt.

Nichts lieber als, wenn die Geschenke unterm heimischen Christbaum liegen

Kein Weihnachtsfest ohne Christbaum – zumindest gilt dies in unseren Breiten, aber auch weit darüber hinaus. Was viele womöglich nicht wussten: Auch am Christbaummarkt stehen importierte Weihnachtsbäume aus Ungarn, Polen oder Tschechien. Und auch hier gilt: Wenn irgendwie möglich, lieber zur heimischen Ware greifen: Dank Gütesiegel, Christbaumschleifen oder Banderolen lässt sich ein österreichischer Christbaum sogar dem jeweiligen Bundesland zuordnen. Wer gezielt danach sucht: Christbäume aus Österreich findet man unter www.weihnachtsbaum.at/.

Und was kann ein patriotischer Konsument abgesehen von Weihnachten sonst noch tun?

Die österreichischen Waldbesitzerinnen und Waldbesitzer schauen nämlich seit Generationen auf eine nachhaltige Waldbewirtschaftung. Nur so können die Wälder auch weiterhin ihre Wirkungen bestmöglich für uns Menschen erbringen. „Achten Sie beim Kauf von Holz und Holzprodukten auf das PEFC Symbol. Dieses Siegel macht die enkerltaugliche Bewirtschaftung und damit den Beitrag der heimischen Familienforstwirtschaft zum Klimaschutz für alle sichtbar. Und ein gutes Gefühl obendrein: Weil man den aktiven Klimaschutz damit quasi schon in der Tasche hat. Oder zumindest einen großen Beitrag dazu leistet.“, so der Geschäftsführer Martin Höbarth.

Bleibt noch die heiß diskutierte Frage, wie der Baum dieses Jahr aufgeputzt werden soll. Geht es nach den österreichischen Bauern und deren Verbänden, ist jede Interpretation von rot-weiß-rot ausdrücklich erwünscht. Soviel ist sicher. Und ob Weihnachten weiß wird, werden wir ja, dann am 24. Dezember sehen.