Hot or Not: Soll Tirol das Olympia-Feuer neu entfachen – Feuer oder Asche? - +43


Akut

Olympiabewerbung ja oder nein – neben der Nationalratswahl geht es am 15. Oktober in Tirol auch darum. Worüber die Bevölkerung abstimmen soll, ist, ob sich das offizielle Tirol um die Austragung der Winterspiele bewerben soll. Was man bei der engagierten Diskussion zwischen Gegnern und Befürwortern aber nicht vergessen sollte, Olympia ist schiere Freude, Wettkampfgeist und Spannung. Emotionen, die sich Einheimischen wie Gästen auf Jahrzehnte hinweg einprägen. Wer dabei ist, wird es nie vergessen. Wer nicht dabei ist, hat also schon verloren.

Benni Raich strahlt übers ganze Gesicht, wenn er von Olympia redet. Aus seinen Augenwinkeln lodert blitzartig die uralte Flamme auf. Kein Wunder, als Olympiasieger lebt in ihm der Gefühlsrausch weiter, den ein solcher Sportevent auslöst. Wenn ihm der olympische Gedanke in den Kopf kommt, fängt er schlagartig Feuer. Nicht umsonst ist der Doppel-Olympiasieger und Skistar aus dem Pitztal eine der Galionsfiguren für die Tiroler Olympiabewerbung. Dazu gesellen sich Kollegen wie Niki Hosp, aber auch Tourismus-Aushängeschilder wie Kitzbühel-Gastro-Lady Rosi Schipflinger oder Volksmusikstar Marc Pircher. „Nachhaltiger, einfacher, herzlicher und bodenständiger“, das ist die Botschaft des offiziellen Tirol für ein „Ja“ bei der Bewerbung.

Foto: ÖOC/ GEPA pictures/ Norbert Juvan

Überall Sieger: Dabei wird am 15.10 erst darüber abgestimmt, ob sich Tirol-Innsbruck überhaupt für die Spiele bewerben soll.

Mit Olympia kann sich Tirol 1 Mrd. EUR frisches Geld holen

Plus43 hat nachgefragt, was für eine Bewerbung spricht und die wichtigsten Argumente gesammelt:

Reden wir zunächst über das Finanzielle: Das Internationale Olympische Komitee (IOC) garantiert 1 Milliarde US-Dollar an Geld- und Sachleistungen für die Durchführung der Winterspiele in Tirol. Damit fließt frisches Geld von außen in die Wirtschaft. Klarerweise nur dann, wenn die Spiele tatsächlich stattfinden. Auftragnehmer werden heimische Firmen sein, womit sich ein regionaler Kreislauf schließt. Einer Studie zufolge ist dies mit 10.000 Arbeitsplätzen und einem Schub im sozialen Wohnbau verknüpft. 400 Mio. EUR betragen die zusätzlichen Steuereinnahmen. Die Tiroler Veranstalter rechnen also mit Einnahmen, die die Ausgaben bei weitem übersteigen. Ins Treffen werden nämlich immer wieder die unkalkulierbaren Sicherheitskosten geführt. Dabei beliefen sich für die Fußball-Euro 2008 die Kosten für die Sicherheit auf 44 Mio. EUR. Rund einem Zehntel also.

Tirol revolutioniert die uralte, edle Idee von Olympia

Dazu komme die ziemlich einzigartige Chance, Tirol durch Gastfreundschaft, Weltoffenheit und einem innovativeren Grundgedanken international zu präsentieren, loben Touristiker und Teile der Bevölkerung gleichermaßen. Damit sind wir schon bei den ideellen Werten angelangt. Tirol pocht auf Nachhaltigkeit. Nur unter strikten Nachhaltigkeits-Bedingungen werde man die Spiele organisieren, heißt es dazu vom zuständigen Sportlandesrat Josef Geisler. Er stellt klar: „Wie die Spiele organisiert werden, wird im Land definiert und nicht von außen bestimmt.“ Geisler räumt aber auch Vorurteile aus, dass Innsbruck mit den Spielen eine Teuerungswelle ins Haus stünde. „Nicht internationale Events wie Olympische Winterspiele, die zwei Wochen in einer Region stattfinden, diktieren die Preise, sondern internationale Börsen und Handelsplätze wie Amazon.“

Werbewert: 2,1 Milliarden TV-Zuseher in 220 Ländern

Olympia ist ein Multiplikator: Die Bewerbe werden in 220 Ländern ausgestrahlt. Fernsehstationen aus aller Welt würden sich in Kühtai, Axamer Lizum, Bergisel, Seefeld & Kitzbühel in vielen anderen Tiroler Sportorten tummeln. Wer dem Publikum, das sich unter der olympischen Flamme in der Zielarena einfindet, ins Gesicht schaut, spürt, dass der Funke der Begeisterung augenblicklich überschlägt. Eine Begeisterung für den Sport im allgemeinen und dem Wintersport im Speziellen, den Tirol notwendig braucht – für die nachhaltige Vitalität nicht nur des Lebensraums inmitten der Natur, sondern für eine gesunde Bevölkerung. Unvergessen die Szenen als Franz Klammer als 23-Jähriger Newcomer am Patscherkofel Abfahrts-Olympiagold gewann. Grenzenlose Euphorie, die das Wintersportland Tirol jahrzehntelang begleitet und einen starken Sog auf die Jugend ausgeübt hat.

Umso mehr hätte sich die uralte Idee von einem ehrlichen, völkerverbindenden sportlichen Wettkampf eine ernst gemeinte Renaissance verdient. Und tatsächlich könnte Innsbruck erneut das blühende Zentrum dieser Renaissance werden.

Foto: ÖOC/GEPA

2,1 Milliarden TV-Zuseher in 220 Ländern: Der Werbewert olympischer Spiele ist für eine Tourismusregion wie Tirol unbezahlbar.

Best-of-Bilder-Galerie: Olympischen Winterspiele in Tirol und der Winter-Olympia-Sieger

Video-Highlights der olympischen Winterspiele 1975/76 in Innsbruck