Palmöl aus asiatischen Palmenplantagen steckt in vielen Fertigprodukten


Akut

Palmöl ist billig. Kein Wunder, dass die Industrie die teureren Milchfette im großen Stil ersetzt hat. Doch jetzt macht das Billigöl aus dem Regenwald immer bösere Schlagzeilen. Seit Palmöl boomt, beißen Urwaldbewohner wie Orang-Utans bei den riesenhaften Regenwaldrodungen massenweise ins Gras. Jetzt kommt auch noch der begründete Verdacht auf, dass Palmöl Krebs auslöst. Ist das ein endgültiges Todesurteil für das Killeröl mit dem Schmuddel-Image? 

2 Stückerln der rosaroten Erdbeer-Schokolade reichen für ein zweijähriges Kind. Jedes weitere Stück wäre offenbar gefährlich, weil der Grenzwert an gefährlicher Chemie, in Form von 3-MCPD-Fettsäure, bereits überschritten ist. In Zahlen: 11 Gramm. Kinder die diesen Schwellwert ignorieren, steigern womöglich ihr Krebsrisiko. Erwachsene dürfen bis zu einer halben Schoko-Tafel verschlingen. Für viele ist das kein utopischer Wert, sondern der tagtägliche Zuckerschub. Schlechte Nachrichten auch für Veganistas, weil sich in der untersuchten Margarine ebenfalls hohe Konzentrationen an den krebserregenden Fettsäuren nachweisen lassen. Alsan und Rama – je 59 bzw. 78 Gramm Tagesration reichen für die kritische Menge an Schadstoffen. Sagen wir: ein fetter Stich Margarine genügt. Auch der ist in der täglichen Ernährung keinesfalls selten.

Hersteller reagierten blitzschnell. Erdbeer-Joghurt Schokolade aus den Regalen geräumt.

Aufgrund dieses alarmierenden Befunds einer Greenpeace-Untersuchung zu Palmöl waren die Regale bei Spar, Billa & Co. gestern nachmittags längst ausgeräumt. Alarmstimmung in der Lebensmittelbranche also, nachdem die Umweltschutzorganisation 11 fettreiche Nahrungsmittel wie Nougatcreme, Schokoladen, Margarine oder Trockensuppen untersucht hatte. Das Ergebnis: Die Konzentration an den bedenklichen Schadstoffen ist hoch. Viel zu hoch.

EFSA stellt Palmöl-Stoffe unter Intensivbeobachtung. Unilever lebt sorgenfrei

Der Verdacht, dass aus dem industriell verarbeiteten Palmöl gefährliche Stoffe entstehen, gilt für die EFSA freilich als noch nicht restlos bestätigt. Wiewohl zwei Schadstoffe seit 2016 auf der Watch-list stehen: Glycidyl und 3-MCPD, beides Fettsäure-Ester. Das gefährliche Duo entsteht unabhängig voneinander, wenn Industrienahrung bei 200 Grad Celsius verarbeitet wird. Glycidyl gilt als wahrscheinlich krebserregend und erbgutschädigend. 3-MCPD ist möglicherweise krebserregend. Mehr will man als Konsument eigentlich nicht wissen.

Bei Unilever, wo die Rama Margarine hergestellt wird, sieht man das freilich anders. Auf unsere Anfrage sagt eine Sprecherin: „Die von uns gelieferten Produkte enthalten keine erhöhten Werte dieser unerwünschten Stoffe, sondern liegen in der aufgrund der Produktzusammensetzung zu erwartenden Bandbreite und sind voll verkehrsfähig.“ Dennoch haben die Handelsketten sowohl die Margarine als auch die Schoko-Tafeln aus den Regalen entfernt. Restlos. Spar-Sprecherin Nicole Berkmann: „Sofort nach Bekanntwerden des Ergebnisses von Greenpeace wurden Rama Würfel und Milka Erdbeerschokolade vorsorglich aus den Regalen genommen – so lange bis es Lösungsvorschläge der Hersteller gibt.“ Anstreifen am verdächtigen Produkt will man dann offenbar doch nicht. Bei aller „Unbedenklichkeit“.

Unilever arbeitet seinerseits „weiterhin intensiv an einer Reduzierung dieser Stoffe“ und betont, man habe „bereits eine Reihe von Maßnahmen ergriffen, um den Gehalt an 3MCPD- und Glycidol-Estern in unseren Produkten signifikant zu verringern.“ Zwischen Unilever und Mondelez, der Schokoladenfabrik, scheint der Duktus der Beantwortung nahezu abgesprochen: Man verfolge den „eigenen Palm Oil Action Plan“, konnte die Substanzen in den letzten 5 Jahren bereits um 50 % reduzieren. Interessant aber der Zusatzhinweis: MCPD und Glycidyl kommen in allen raffinierten Industrieölen und -fetten vor. Die Schadstoffe und ihre Regulierung seitens der Behörden seien deshalb eine „industrieweite Problematik“.Die Palmöllieferanten mögen selbst für einen nachhaltigen Anbau sorgen, gibt die Mondelez-Sprecherin Livia Kolwitz jede weitere Verantwortung in die asiatischen Produktionsländer ab. Und eine Entwarnung zum Schluss: Die Milka Alpenmilch-Schokolade sei „von der Problematik nicht betroffen“.

Auch seitens der Handelsketten wird betont, palmölfreien Produkten den Vorzug zu geben. REWE-Sprecher Pauli Pöttschacher versichert: „Wo wir Palmöl einsetzen, verwenden wir seit 2014 nur mehr RSPO zertifiziertes Palm(kern)öl für unsere Eigenmarken.“ Die Handelsketten reagierten blitzschnell und setzten via Twitter & Co. ihre Werbemaschinerie für palmöl-freie Produkte, häufig auch Eigenmarken, in Gang.

Palmöl-freie Nutella? – Ja! Natürlich reagiert auf den Greenpeace-Palmöl-Test mit folgendem Tweet

Hier geht’s zum Orf-Beitrag über die Problemfelder und Risiken von Palmöl im Anbau und in Lebensmitteln.

Erdbeer-Schokolade enthält viel Krebsverdacht

Dennoch: Neben der Gesundheitsgefahr, die jetzt mit dem Schmuddelöl in der Schokolade wohl verknüpft ist, ärgern sich heimische Konsumentenschützer und Milchbauern aber auch darüber, dass zwar eifrig mit „Alpenmilch“ geworben wird, aber die Herkunft der österreichischen Milch in der Schokolade nicht mehr nachweisbar sei, wie Konsumentenschützer bestätigen. Tatsächlich werde aber heimisches Molkepulver und Butterreinfett verwendet, heißt es aus Molkereikreisen. Das auch aus Österreich und vom Weltmarkt stammt. Wieviel Österreich wirklich zuliefert, ist naturgemäß nicht zu erfragen. Industriegeheimnis.

Als Reaktion auf die europäische Milchkrise von 2009 hatte sich die Industrie im großen Stil auf das Billigfett aus den asiatischen Palmölplantagen gestürzt. Billig, geschmacksfrei, leicht zu verarbeiten, haltbar, temperaturresistent – alles was das Herz begehrt. Im Gegenzug wurden heimisch erzeugte Butter- und Milchfette aus bestimmten Produkten wie Butterkeksen oder Eiscreme damals nach und nach entfernt und ersetzt. Plötzlich galten tierische Fette als ungesund. Die Pflanzenölindustrie war im Aufwind. Mittlerweile ändert sich die Zutatenliste erneut. Für einzelne hochpreisigere Produkte wurde das verdächtige Palmöl herausgenommen und durch wertvollere Fette ersetzt – entweder pflanzlicher oder tierischer Natur.

Für die heimischen Bauern ist der Palmöl-Hype seit jeher ein Ärgernis. Umso vehementer setzt sich auch Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter für palmöllose Lebensmittel ein. „Bei den AMA-Gütesiegelprodukten haben wir Palmöl-Freiheit erreicht.“ Er will sich dafür einsetzen, dass weitere Schritte zur Reduktion erfolgen. Auch die SPÖ hat Palmöl als Wahlkampfthema für sich entdeckt. Ähnlich wie schon beim Freihandelsabkommen nimmt die Partei dankbar das Thema auf. Kein Wunder, wird es doch schon seit geraumer Zeit durch NGO-Kampagnen aufbereitet. Konsumenten- wie Umweltschützer raten jedenfalls zu einem Verzicht und strengeren Grenzwerten. Ein Verbot steht im Raum.

Margarine ist ein intensiv verarbeitetes Industrieprodukt?

 

Zum Vergleich: Unterschiedliche Verarbeitungsstufen von Butter und Margarine

Plus43 hat 5 Tipps, damit Sie Palmöl ganz leicht vom Speisezettel verbannen können:

  1. Selber backen – mit frischer Butter statt Palmöl-Margarine. Eine Kuvertüre lässt sich aus hochwertiger Kochschokolade leicht selber herstellen. Fertigtorten und –kuchen sollte man, wo immer möglich, aus dem Weg gehen.
  2. Lieber Bauernhof-Eis statt Eiskrem aus dem Supermarkt. Genau schauen, ob Palmöl auf der Zutatenliste enthalten ist. Es gibt sehr gute Eiserzeugnisse, die mit heimischer Milch gemacht werden.
  3. Süßigkeiten mit hohen Fettanteile wie Schokoriegel oder stark verdichteten Zuckerfettcreme-Anteilen vom Einkaufszettel streichen. Zähne und Magen werden es danken.
  4. Margarine gilt als hochindustriell raffiniertes Lebensmittel – der Verarbeitungsweg beginnt mit dem Pressen der Ölsaat und einer Extraktion mit Lösungsmitteln, dann wird entschleimt, entsäuert, gebleicht, gefiltert, gedämpft. Wer mehr wissen will – hier gibt es die Verarbeitungsstufen von Butter und Margarine im Überblick.
  5. Ganz generell gilt: Greifen Sie zu bei frischem Obst und Gemüse. Auch wenn Sie einmal vom Appetit auf ein Fertiggericht überfallen werden – ein Apfel hilft bestens, den Zuckerspiegel konstant zu halten. Ihrer Gesundheit zuliebe!

Greenpeace KitKat Spot

Das beste Video zum Thema Palmöl. Immer noch. Deshalb unsere Empfehlung!