Der Vertrauensindex für Bundespolitiker ist gut, das Netz ist besser


Akut

Spezielle Barometer zeigen, ob Kern, Kurz oder Strache am Boden und im Netz die Lufthoheit überhaben. Wie sich österreichische Politiker derzeit schlagen und wer im Social Web die sprichwörtliche Nasenlänge vorn liegt. Über die Maschen und Tricks der Politiker via Social Media sich in die Herzen ihrer Wähler zu posten.

Wahlkampf tobt im Netz

Ausgerechnet Sophie Karmasin ist die Ausreißerin. Nach unten. Abgesehen von der Familienministerin, verzeichnet die ÖVP laut APA/OGM-Vertrauensindex insgesamt die höchsten Vertrauenszuwächse. Spitzenkandidat Sebastian Kurz hat – wenig verwunderlich – klar die Nase vorne. Ja, konnte seinen Vorsprung ausbauen. Saldiert holt er sich doppelt so viel Vertrauen als Kern. Der Bundeskanzler verliert somit weiter an Boden. Er verzeichnet unter allen Parteispitzen die höchsten Verluste: minus 4 Punkte. Und fällt vom dritten auf den sechsten Platz zurück. Zurückzuführen sind die Verluste auf die Holperer und Rumpler im SPÖ-Wahlkampfstart. Den zwölften Platz belegt Matthias Strolz. Der NEOS-Chef legt um drei Vertrauenspunkte zu. Obwohl Ulrike Lunacek um zwei Punkte aufholen konnte, zählt sie neben Muna Duzdar und Robert Lugar zu den absoluten Schlusslichtern. HC Strache sackt weiter ab: genauso wie Peter Pilz polarisiert er die Bevölkerung stark. Bekanntlich leben beide Politiker seit Jahren gerade von der Zuspitzung. Unter Strich sieht die Bilanz freilich negativ aus. 

All das destilliert der Vertrauensindex, das von Politiker stets nervös erwartete monatliche Stimmungsbarometer, aus 500 Online-Befragungen. Dabei ist das Barometer alles andere als ein präziser Seismograph. Mehr eine flackernde Kompassnadel. Stattliche 4,5 Prozent beträgt die Schwankungsbreite. Alles andere als eine seriöse Meinungsforschung, geben selbst Meinungsforscher zu. Der Vertrauens-Wert ergibt sich aus der Differenz zwischen „habe Vertrauen“ und „habe kein Vertrauen“. Vergleichszeitraum ist Juni 2017.

Parteieigene Info-Kanäle werden hochgerüstet

Auch in der politischen Kommunikation geht der Trend zum Netz. Politiker haben es zusehends schwer, die Filterblase der traditionellen Medien zu durchdringen. Deshalb werden parteieigene Informationskanäle aufgerüstet. Zur Perfektion gebracht haben dies die Freiheitlichen. Straches Online-Werte gelten nach wie vor als richtungsweisend. Zumindest für Österreich. Völlig an den etablierten Medien vorbei haben die Freiheitlichen ihre eigene Info-Maschinerie gezüchtet. Meinungsbildung und Meinungsmache geht jetzt direkt an den Medienkonsumenten. Scheinbar nebenbei, unter- bzw. niederschwellig und genau deshalb wirksam. Informationskonsum setzt heutzutage keinen höheren Abschluss mehr voraus. Doch den freiheitlichen Vorsprung hat ÖVP-Jungstar Kurz längst aufgeholt.

Der 31-jährige Außenminister übernimmt jetzt auch im Social Web die Führung. Auf Facebook, Twitter und Instagram folgen Sebastian Kurz mehr als 917.000 Fans und Follower. Seit Mai 2017 konnte der ÖVP-Chef einen Fan-Zuwachs von mehr als 30 Prozent verbuchen. Noch liegt Strache hauchdünn vor Kurz. Bis 6.000 Fans egalisiert sind, ist bei Kurz’ Tempo nur eine Frage weniger Tage. Skurriles Detail: HC Strache hat 200.000 deutsche Facebook-Fans. Insgesamt ist die Fan-Base der FPÖ-Spitze um fast 13 Prozent gestiegen. Abgeschlagen auf den Rängen: Christian Kern (208.037), Matthias Strolz (79.883) und Ulrike Lunacek (18.647). Doch Facebook ist nicht alles. Insbesondere auf Twitter ist Außenminister Sebastian Kurz die unumstrittene Nr. 1 der Politiker. Seine 236.000 Follower liegen im Vergleich zu den anderen Spitzenkandidaten schwer in der Waagschale und entlarven die Konkurrenz als Leichtgewichte. Christian Kern: 63.000, Matthias Strolz: 56.800, Ulrike Lunacek: 10.500. Heinz Christian Strache verzichtet auf einen Account. Nicht ganz zufällig, gilt doch die heimische Twitter-Landschaft als politisch eher links ausgerichtet. Kein Tag vergeht, an dem nicht auf Twitter Kritik und Häme über die FPÖ ausgeschüttet würde. Instagram scheint in der österreichischen Politik im Hinblick auf die niedrigen Abonnenten-Anzahl zwischen knapp 1.000 und 14.000 Personen von niedrigerer Relevanz zu sein. Interessant vor dem Hintergrund, dass insbesondere die jüngere Zielgruppe Facebook längst den Rücken kehrt. Instagram boomt indes genau bei den unter 25-Jährigen.

Sebastian geht viral

Gerade an den Interaktionen, im Fachjargon Viralität, wird sichtbar, wer online am meisten reißt. Sebastian Kurz zieht auch hier ausgiebig Fan-Interaktionen auf sich. Dies zeigt die Analyse der Kommentare, Likes und Shares im Zeitraum von 18. bis 28. August. Während Christian Kern mit dem Share des Krone-Beitrages „Können Sie das noch aufholen, Herr Kern“ beachtliche 3.300 Likes, 150 Kommentare und mehr als 266 Shares erhielt, holt Kurz mit einem Profil-Video über illegale Migration mehr als 10.000 Likes, fast 490 Kommentaren und knapp 1.000 Shares ab. Trotzdem ist Kerns Facebook-Strategie erfolgreich – gerade die Video-Beiträge werden von den Usern fleissig konsumiert. Just Heinz Christian Strache hat aber mit fünf bis sechs Beiträgen pro Tag die höchste Posting-Frequenz. Doch auch die übrigen Parteispitzen liegen nicht faul auf der Haut: sie posten durchschnittlich vier und fünf Beiträge täglich. Die Grüne Ulrike Lunacek hat auf Twitter mit der höchsten Frequenz von bis zu fünf bis sechs Tweets pro Tag die Nase vorn. Strolz’ Twitter-Bemühungen werden indes kaum mit Likes & Shares belohnt. Was den NEOS-Chef in seinem Fleiß kaum bremst.

Unter den Listenzweiten Hofer – dann lange nichts

Anders das Bild der Listenzweiten: Platz eins holt sich hier nämlich unangefochten FPÖ-Vizechef Norbert Hofer mit mehr als 331.000 Fans. Ein Vorsprung, der vor allem auf die Bundespräsidentenwahl zurückgeht. Weit abgeschlagen sind die NEOS mit Irmgard Griss (26.000), die Grünen mit Werner Kogler (9.600) und die SPÖ mit Joy Pamela Rendi-Wagner (5.000 Fans). ÖVP-Generalsekretärin Elisabeth Köstinger hat jahrelang eine sehr virale Facebook-Fanseite aufgebaut, pflegt tausende, teils persönliche Freundschaften. Sie hält die Zahl ihrer Fans allerdings geheim, seit sie die ÖVP-Zentrale in der Lichtenfelsgasse eingezogen ist. Anders als Karmasin, die ihren Rückzug aus der Politik bereits angekündigt hat, gehört die 38-jährige Kärnterin aber zum inner circle der aktuellen ÖVP-Performer.

Vertrauen in BundespolitikeriInnen August 2017: Saldo aus “Habe Vertrauen”und “Habe kein Vertrauen zu …”, Angaben in %, 500-Online-Interviews im August 2017
Quelle: APA/OGM