Bilanz COP23: Fidschi geht im Klimwandel unter - +43


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Im Südpazifik steigen die Wasserpegel. Den Fidschi-Inseln steht das Wasser bis zum Hals. Nicht umsonst pochen die Inselbewohner am letzten Klimawandel-Gipfel auf dem ehrgeizigen 1,5-Grad-Ziel der Begrenzung der Erderwärmung. Der Grundstein zur Überprüfung der globalen Klimaschutzmaßnahmen dürfte auf der Bonner Konferenz gelegt worden zu sein. Doch alles hängt wie immer – am Geld.

Den Fidschi-Inselulanern steht das Wasser bis zum Hals. Wegen der steigenden Meeresspegel zählen sie zu den ersten Opfern des Klimawandels. Dadurch könnten die Inseln auf lange Sicht unbewohnbar werden. Notgedrungen pochte ihr Regierungschef Frank Bainirama, zugleich Klimakonferenz-Präsident, auf die Einhaltung der Begrenzung der Erderwärmung auf unter zwei Grad. Lieber noch: auf unter 1,5 Grad. Das ist auch das Ziel des Pariser Abkommens. Laut Berechnungen des UN-Umweltprogramms UNEP kann die Erderwärmung auf +3 Grad begrenzt werden, wenn alle 197 Staaten ihre freiwilligen Ziele erreichen. Experten sind sich einig: Die Klimaziele und Maßnahmen müssten weit ambitionierter werden.

Basis zur Überprüfung der globalen Klimaschutzmaßnahmen 

Schlag 5 Uhr morgens endete am Samstag, 18.11., früh die Konferenz nach einer zwölfstündigen Verlängerung wegen Streitigkeiten zur Finanzierung. Aus Perspektive der Klimadiplomatie war die knapp zwei Wochen andauernde Veranstaltung ein Erfolg. Ergebnis ist ein erster Textentwurf für ein Regelwerk des Pariser Abkommens, das mehr als 260 Seiten umfasst und eine wesentliche Grundlage für die Begrenzung der Erderwärmung darstellt. Das Papier zielt darauf ab, die freiwilligen Zusagen der einzelnen Staaten, etwa wie viele Emissionen eingespart werden sollen, mit gleichem Maßstab messbar, miteinander vergleichbar und bewertbar zu machen. Damit seien die Weichen für eine Überprüfung der globalen Klimaschutzmaßnahmen gestellt. Bei der nächsten Klimakonferenz Ende 2018 in Kattowitz in Polen soll das „Regelbuch“, auch „Anleitung zur Umsetzung“ genannt, beschlossen werden.

Klimawandel

Die Finanzierung von Schäden durch den Klimawandel in den ärmeren Ländern, wie hier zum Beispiel durch einen Tsunami in Thailand, wurden auf Druck der Industrieländer erfolgreich ausgeblendet.

Fortführung des Klimafonds

Bis zuletzt war die Fortführung des Green Climate Fonds, die Finanzierung zur Anpassung an Klimafolgen für Entwicklungsländer, ein Streitthema. Die Staaten einigten sich glücklicherweise auf den Fortbestand des sogenannten Anpassungsfonds, der im Zuge des Kyoto-Protokolls zur Prävention des Klimawandels installiert wurde. Allerdings wurden auf Druck der Industrieländer die Mittel zur Bezahlungen von Verlusten und Schäden durch den Klimawandel in den ärmeren Ländern erfolgreich ausgeblendet. Ebenso wurde die Interpretation des Artikels 9.5. des Pariser Klimaabkommens diskutiert. In diesem verpflichten sich die Industrieländer, über ihre Pläne zur Unterstützung der Entwicklungsländer im Umgang mit dem Klimawandel regelmäßig zu berichten. Viele Umweltschutz- und Entwicklungs-NGOs kritisierten den Mangel an konkreten finanziellen Zugeständnissen zur Bewältigung der Schäden ausgehend von Klimafolgen in bedürftigen Ländern.

Maßnahmen gegen Klimawandel im Visier

Auf der Konferenz wurde beschlossen, die weltweiten Bemühungen und ihre Auswirkung zum Klimaschutz schon vor 2020 ins Visier zu nehmen. Dafür wurde der „Talanoa“-Dialog im Jänner 2018 vereinbart. Dabei wirken nicht nur Diplomaten, sondern auch Experten aus der Wissenschaft, des Umweltschutzes und der Zivilgesellschaft mit.

Die USA, die unter Präsident Donald Trump mit 4.11.2020 aus dem Pariser Klimaabkommen auszusteigen plant, störten die Konferenz nicht. Stärker wahrgenommen wurde das Bündnis „We are still in“, bestehend aus US-Staaten, Städten, Universitäten und Firmen. Sie verbreiteten die Botschaft, die gesteckten Klimaziele auf eigene Faust zu erreichen. Die Bonner Konferenz hat bewiesen, dass die Unterstützung für das Pariser Abkommen stark ist. Das bekräftigt auch die UN-Klimachefin Patrcia Espinosa. „Das ist der Geist von Paris“, sagt Barbara Hendricks am letzten Tag der Veranstaltung und zieht eine positive Bilanz der diesjährigen Weltklimakonferenz in Bonn. Wie das 1,5-Grad-Ziel trotz der niedrigen Ambitionen und fehlenden Zugeständnisse zur Finanzierung der Klimafolgen zur eingehalten werden soll, bleibt fraglich.