Klimawandel Auswirkungen: Ernte-"Desaster" in Österreich


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Gedämpft sind heuer die Erwartungen der Getreidebauern im Osten Österreichs. Auf den trockenen Winter folgte ein regenarmer April. Schon zum Wachstumsstart im Frühjahr waren die Ernteerwartungen der Ackerbauern gedrückt.

Der Klimawandel hat Auswirkungen auf die heimischen Getreidespeicher. Wegen der Trockenheit erwarten die Getreidebauern in Ostösterreich eine schlechte Ernte. Im Burgenland soll die Getreideernte sogar minus 20 Prozent im Vergleich zum fünfjährigen Schnitt betragen. “Das ist ein echtes Desaster”, sagte Landwirtschaftskammer-Präsident Hermann Schultes bereits Anfang Juli. Anders im Süden und Westen Österreichs: Dort rechnen die Bauern mit einer einigermaßen positiven Getreideernte. Insgesamt soll die Getreideernte (ohne Mais) in Österreich heuer mit 2,73 Mio. Tonnen um 12,3 Prozent geringer ausfallen als im fünfjährigen Durchschnitt und um 22,3 Prozent geringer als im guten Erntejahr 2016. Für betroffene Landwirte, die keine Dürreversicherung abgeschlossen haben, könnte es heuer finanziell eng werden.

Trockenheit: Deutlich niedrigere Regenmengen

In den meisten östlichen Regionen Österreichs gab es im ersten Halbjahr deutlich weniger Regen als in normalen Jahren. Besonders wenig Niederschlag gab es in den für die Getreide-Ährenbildung wichtigen Monaten Mai und Juni im Vergleich zum langjährigen Schnitt in Horn (NÖ) mit minus 67 Prozent und Ried im Innkreis (OÖ) mit minus 64 Prozent. Aber auch in vielen anderen Gegenden in Oberösterreich und dem Osten Österreichs gab es im Mai und Juni ein Niederschlagsdefizit von 50 Prozent. Der deutliche Erntemengenrückgang bei Sommergerste und Roggen liegt vor allem an der wesentlich geringeren Anbaufläche. Halbiert haben die Bauern die Ackerfläche im Vergleich zum fünfjährigen Schnitt für Ölkürbisse, weil nach der guten Ernte im Vorjahr die Lager noch gut gefüllt sind. Stark ausgeweitet haben die Landwirte wiederum den Sojabohnen-Anbau, der sich gegenüber dem fünfjährigen Schnitt auf mehr als 64.000 Hektar verdoppelt hat.

Mindererträge drücken die Deckungsbeiträge

Für Mais, Ölkürbis, Sojabohnen und Kartoffeln fehlen derzeit noch Ernteschätzungen. Laut Landwirtschaftskammer-Präsident Schultes sieht es bei diesen Ackerpflanzen aber auch nicht gut aus. Um den Soja zu retten, seien derzeit alle verfügbaren Regenmaschinen im Einsatz. Bis in die erste Juliwoche konnten bereits 17 Hitzetage über 30 Grad verzeichnet werden. Der März war der trockenste seit es Aufzeichnungen gibt. Der Juni der zweitheißeste. Auch im Burgenland werden deshalb kleine Getreidemengen und nicht besonders berauschende Preise erwartet. Dadurch sinken auch die betriebswirtschaftlichen Deckungsbeiträge für die Bauern. Auch im Mai hat der Regel gefehlt, um die Getreideähren normal auszubilden.

Getreidepreis sehr volatil

Niedrig auch die Erwartungen an die Getreidepreise – trotz der geringen Erntemengen. So kostet die Tonne Weizen an der Pariser Warenterminbörse Euronext aktuell rund 180 Euro. Die reduzierten Erwartungen an die US- und EU-Weizenernte aufgrund der Trockenheit ließ zuletzt den Preis aber anstiegen. In den vergangenen Jahren hat der Weizenpreis eine Berg- und Talfahrt erlebt und pendelte zwischen 140 und 280 Euro. Eine schlechte Ernte in einem großen Anbaugebiet – etwa USA, Russland oder Ukraine – kann den Weltmarktpreis für Getreide aber schnell wieder in die Höhe schießen lassen. Bei der Raiffeisen Ware rechnet man mit Stabilität auf niedrigem Niveau. Dass die Preise weiter absinken könnten, wird dort nicht befürchtet. Weltweit gibt es trotz der heimischen Erntemisere aber kein Anzeichen für eine Unterversorgung. Im Gegenteil: rein rechnerisch ergibt das Verhältnis zwischen Verbrauch an Angebot einen Wert von 23 Prozent. Alles, was über 20 Prozent liegt, deutet auf prall gefüllte Märkte hin.