Orientalische Träume vom neuesten Kuhstall - +43


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Im östlichsten Teil der Türkei herrschen schwierige Produktionsbedingungen, trotzdem sind die anatolischen Bauern motiviert. Lesen Sie hier den Bericht einer Delegationsreise des Rinderzuchtverbandes nach Kars und Ankara.

Zum Hintergrund:  2015 startete die Rinderzucht Austria ein IPARD-Projekt in der Region Kars, Ostanatolien. Im Rahmen von der EU-finanzierten Heranführungshilfe für Entwicklungsländer werden ca. 80 bäuerliche Familienbetriebe unterstützt. Das IPARD-Projekt ist besonders wichtig als Maßnahme gegen die Abwanderung vom Land und zur Förderung der Wirtschaft in der gesamten Region. Das Gesamtprojekt sieht eine Lieferung von 5.000 Fleckvieh Zuchtkalbinnen vor. Zusätzlich sollen österreichische Experten die Rinderzüchter vor Ort mit Fachberatung unterstützen.

Neben Betriebsbesuchen standen im Rahmen der Delegationsreise Gespräche mit den Organisationen Tigem, CBAT sowie im türkischen Landwirtschaftsministerium am Programm.

Auf Einladung von Dr. Ismail Ergöz, türkischer Koordinator und Projektleiter des IPARD-Projekts in Kars, erfolgte vom 11.-13. Juni der Erstbesuch von ZAR-Obmann Stefan Lindner, Geschäftsführer Dipl.-Ing. Martin Stegfellner, Mag. Peter Kreuzhuber (Genetic Austria), Ing. Richard Pichler (Fleckvieh Austria) und Mag. Özkan Demir (CIN Consult) in Ostanatolien.

Wenn Gastarbeiter Bauern werden 

Der erste Stopp erfolgte in Selim, Bezirksstadt von der Provinz Kars, beim Futtermittelhändler Kaptanogullari. Dieser war in den 70-er Jahren Gastarbeiter in Vorarlberg, wo er beim Bau von Ställen tätig war. Dort hatte er den Traum einen Stall wie in Vorarlberg auch in seiner Heimat zu bauen. Die neue Anlage umfasst 120 Kühe, sämtliche Technik ist schon vorhanden, am Betrieb gibt es aber noch keine Tiere.

Bürgermeister Göksal Toksoy betonte die gute Kooperation mit den österreichischen Partnern beim Projekt. Er war schon einige Male in Österreich, u.a. bei der Verbandsschau in Maishofen. Die türkische Agentur Serka des Entwicklungsministeriums für die Provinzen Ardahan, Kars, Igdir und AGri koordiniert viele interessante Projekte im wirtschaftlichen, sozialen kulturellen, touristischen, landwirtschaftlichen und bildungsspezifischen Bereich. ZAR-Geschäftsführer Martin Stegfellner wies auf die dringend erforderlichen Weiterbildungsmaßnahmen für die Investitionsbetriebe hin und stellte die Möglichkeit für Workshops, Seminare und Vor-Ort Schulungen von österreichischen Experten vor. Weiters wurden österreichische Zuchtviehexporte in die Provinz Kars als kostengünstige Abwicklungsvariante vorgestellt, da diese direkt an die Bauern erfolgen. Ganz ohne zwischengeschaltete Importeure.

Nach Gesprächen mit dem Gouverneur und Vertretern der Provinz Kars betreffend Zusammenarbeit in der Landwirtschaft und im Tourismus – Klima und Bergbauerngebiete sind ähnlich wie Österreich – folgte der 2. Teil der Reise in Ankara. Mit dem Generalsekretär von CBAT (Verband türkischer Rinderzüchter) konnte über die Fortsetzung der langjährigen Partnerschaft gesprochen werden.

Know-how aus Österreich ist schon unterwegs 

Nach vielen Bemühungen kam ein Termin mit Landwirtschaftsminister Faruk Celik zustande. Mit diesem konnten die österreichischen Vertreter über die österreichischen Zuchtrinderexporte und die damit verbundenen Handelshemmnisse sprechen. Minister Celik sprach sich dabei für direkte Handelsbeziehungen, die über staatliche Einrichtungen, wie TIGEM, durchgeführt werden sollen, aus.

Die Zusammenarbeit der Rinderzucht Austria mit der Türkei wurde trotz politisch angespannter Situation durch die Delegationsreise weiter intensiviert. Als nächster Schritt wird ein Konzept für Schulungen österreichischer Experten von Know-how für die türkischen Landwirte ausgearbeitet.

„Was besonders wertvoll ist, soll auch besonders geschützt werden.  Aber Naturschutz gelingt nur mit den Grundeigentümern, nicht gegen sie!“ so der LK-Präsident abschließend.