Was Weißwähler wohl nicht wissen - +43


Wissen

“Weiß wählen” macht nur bei der Milch Sinn, aber nicht bei der nächsten Nationalratswahl. Wer im Wahllokal eine ungültige Stimme abgeben will, kann sich genau genommen den Weg sparen. 

Weiß wählen ist keine Alternative. Auch wenn es erstaunlich viele Menschen geben mag, die es genau dafür halten. Warum das so ist, lässt sich ziemlich schnell erklären und hat mit Arithmetik zu tun. Das klingt sperrig. Ist aber in der Logik für jeden zugänglich, der die vier Grundrechnungsarten beherrscht. Also dann mal den Rechenstift gezückt für all jene, die meinen, sie gingen nicht aus Faulheit oder Ignoranz, sondern aus Protest nicht wählen.

Angenommen von 100 Wahlberechtigten gehen 100 wählen und die Wahl geht so aus:

Partei A: 40 von 100 Stimmen > 40 %
Partei B: 30 Stimmen > 30 %
Partei C: 15 Stimmen > 15 %
Partei D: 10 Stimmen > 10 %
Partei E: 5 Stimmen > 5 %

Und jetzt nehmen wir an, die Wahlbeteiligung sinkt auf 80%, weil 20 der 100 Wahlberechtigten “aus Protest” zu Hause bleiben. Der Einfachheit nehmen wir an, die 20 haben vorher zu gleichen Teilen (also jeweils 4) die 5 kandidierenden Parteien gewählt. Was ändert sich durchs Nichtwählen?

Partei A: 36 von 80 Stimmen > 45,00 %
Partei B: 26 Stimmen > 32,50 %
Partei C: 11 Stimmen > 13,75 %
Partei D: 6 Stimmen > 7,50 %
Partei E: 1 Stimme > 1,25 %

Hat ja super funktioniert mit dem “Protest”…

Weißwählen macht die Wahl weder ungültig, noch ändert sich die Zahl der Mandate 

Also nochmal: Wahlsieger wird, wer die Mehrheit der gültigen Stimmen erreicht, nicht die Mehrheit der Wahlberechtigten. Selbst wenn 80 Prozent ungültig wählten, wird derjenige Kandidat bzw. diejenige Partei gewinnen, die von den 20 Prozent gültigen Stimmen um eine mehr hat. Ganz anders wäre es natürlich, hätte Weißwählen oder Zuhause-Bleiben irgendeine konkrete Folge: Zum Beispiel, dass neu gewählt werden müsste, wenn weniger als 50 Prozent der Wahlberechtigten eine gültige Stimme abgeben. Oder wenn bei Parlamentswahlen nur 70 Prozent der Mandate vergeben würden, wenn nur 70 Prozent der Wahlberechtigten gültig wählen. Dann wäre weiß wählen tatsächlich eine strategische Option. Dies ist aber nicht vorgesehen.

Wer weiß wählt, wählt die Etablierten.

So ist es aber nicht. Wer bei den kommenden Nationalratswahlen weiß wählt, wählt den mit, den die anderen wählen. Sie verzichten auf Ihr Mitspracherecht – das wichtigste Recht in einer Demokratie. Wer weiß wählt, gibt damit kein Statement ab, sondern schweigt. Auch das ist natürlich ein Recht, es ist nur so sinnlos. Da kann man auch gleich gar nicht hingehen. Macht auch keinen Unterschied, aber es spart wenigstens Zeit.

Wer weiß wählt, wählt also den mit, den die anderen wählen. Hilft also der Mehrheitspartei, ihre Mehrheit noch zusätzlich auszubauen. Alle jenen, die keine Propheten sind und sich zu 100% sicher sind, wer’s wird – und, dass sie genau das wollen – bleibt also nur der Weg ins Wahllokal. Um von ihrem demokratischen Stimmrecht eben doch Gebrauch zu machen. Beispielsweise könnte man ja einfach genau das wählen, was einem am ehesten, wenn schon nicht ganz genau, entspricht. So ganz ohne Taktik und Protest. Würde nicht nur der Demokratie helfen, sondern auch einer intelligenteren Politik.